Digitalisierung

Ausprobieren kollaborativer Werkzeuge. BDL / Gräschke

Heimat attraktiver machen

Twitter-Wolken der Landjugend. BDL / Gräschke

Ob wir digitale Welten wollen oder nicht, steht nicht mehr zur Debatte. Sie so zu gestalten, dass sie die Mankos der ländlichen Räume ausgleichen, die Jugendverbandsarbeit unterstützen, das ist die Herausforderung. Das heißt für den BDL, jugendverbandliche Maßstäbe anzulegen und die Entwicklung für die Landjugend auf allen Ebenen und für alle, die auf dem Land leben wollen, nutzbar zu machen. Dazu gehört auch, Algorithmen zu hinterfragen, Daten zu schützen und den digitalen Wandel im demokratischen Sinne mitzugestalten.

Digitale Werkzeuge können uns in unserem Verband helfen, einiges abzukürzen. Sie können Kilometer überbrücken, aber der direkte Austausch mit­einander ist und bleibt wichtig, um auf ein gemeinsames Verständnis aufbauen zu können. Natürlich sei es mit der Digitalisierung schneller und einfacher geworden, sich untereinander zu vernetzen und Informationen auszutauschen. Das trage zu einer zunehmenden Demokratisierung bei. Doch sei das kein Selbstläufer, heißt es im BDL. Denn eins ist klar: Strukturelle Hürden müssen (nicht nur innerverbandlich - Breitband!) genommen und neue Kompetenzen entwickelt werden.

Damit hat der BDL längst angefangen und die Richtung abgesteckt. Denn es geht nicht nur darum, wieviel Verantwortung einem Computer übertragen werden darf, sondern um digitale Mündigkeit, um die Zukunft.

Wunderbar nachlesen lässt sich das im aktuellen BDLspezial, das sich nicht nur aus Landjugendsicht mit der digitalen Zukunft geschäftigt. 

Von wegen Zukunftsgedöns

Das Editorial als Kostprobe

Könnt ihr euch vorstellen, einen Chip unter der Haut zu tragen, der Schlüssel und Kreditkarte ersetzt? Und somit immer das Wichtigste dabeizuhaben? Tausende SchwedInnen haben die reiskornkleinen Dinger bereits zwischen Daumen und Zeigefinger, die Fahr- und ID-Karte ersetzen und mit denen sie bezahlen können. Das passt zu dem skandinavischen Land, das 2023 bargeldlos sein will. Wäre das was für euch? Praktisch ist das auf jeden Fall. Und bis zum Smartphone, das auf oder unter dem Fingernagel klebt, ist es dann auch nicht mehr weit. Technisch ist vieles möglich.

Wir müssen entscheiden, ob und wie wir das wollen – jeder für sich, aber auch für uns als Landjugend. Wie können wir digital so zusammenwirken, dass wir unsere Stärken stärken und unsere Schwächen schwächen? Welche Regeln brauchen wir, welche Kompetenzen und welche technischen Voraussetzungen? Nur einige Aspekte der Digitalisierung können wir in diesem Landjugendmagazin aufgreifen.

Digitalisierungsfortschritt in der Landwirtschaft

Innovative Technologien praxisorientiert entwickeln

Für die JunglandwirtInnen im BDL hat die Digitalisierung eine weitere Dimension, denn Smart Farming eröffnet ihnen neue Möglichkeiten. Durch die Verknüpfung von Landtechnik und Datenverarbeitung, durch die Vernetzung der einzelnen Betriebsbereiche und ihrer Komponenten können die einzelnen Arbeitsschritte besser aufeinander abgestimmt, die eigenen Kapazitäten gezielter eingesetzt, Ressourcen und Umwelt geschont werden. Das kommt JunglandwirtInnen und der Gesellschaft zugute. Der BDL fordert mehr Unterstützung der Forschung im Bereich Landwirtschaft 4.0. Die Anschaffung der Precision-Farming-Technik ist (sehr) kostenintensiv. Darum fordert der BDL eine besondere Investitionsförderung für die Anschaffung von innovativer Technik und Geräten mit Dateninformationssystemen. Für die JunglandwirtInnen ist eine zweckgebundene Smart-Farming-Förderung nicht nur eine Investition in die Zukunft der Betriebe, sondern eine Investition in den gesamten ländlichen Raum

Zugleich müssen LandwirtInnen stärker in die Entstehungsprozesse technologischer Innovationen einbezogen werden. Nur wenn sich die Digitalisierung in der Landwirtschaft mehr an den Bedürfnissen des Berufsstands orientiert und nicht allein an dem, was technisch machbar ist, lassen sich die Chancen des technologischen Wandels in der Fläche nutzen. „In sich ständig verkürzenden Abständen werden neue digitale Anwendungen entwickelt und auf den Markt gebracht. Das mag innovativ sein, führt aber über kurz oder lang zu Umsetzungsproblemen und bringt das Land nur mühsam voran“, so Kathrin Muus, stellvertretend für den BDL-Bundesvorstand. Aus dessen Sicht müssten vielmehr zuerst die ländlichen Räume analysiert, die Herausforderungen der Landwirte identifiziert und darauf aufbauend gezielt neue Technologien entwickelt werden. „Digitale Transformation passiert auch in der Landwirtschaft nicht einfach, sie muss aktiv begleitet werden. Das ist eine Frage, der politischen Steuerung, Impulssetzung und der Rahmenbedingungen“, so die Vorsitzende der größten deutschen Junglandwirteorganisation.

Die Chancen der Digitalisierung sind enorm - von der Erhöhung des Tierwohls und der Präzision des Dünge- oder Pflanzenschutzmitteleinsatz bis hin zur verbesserten Work-Life-Balance der Landwirte durch effektive Zeiteinsparung. Doch diese Chancen dürfen nicht auf wenige Landwirte beschränkt bleiben, sondern müssen für alle zugänglich sein. Digitale Innovationen müssen für alle Betriebe, die sie nutzen wollen, anwendbar und bezahlbar sein. Als größter Jungendverband im ländlichen Raum macht sich der BDL für die Lebens- und Bleibeperspektiven junger Menschen in den ländlichen Räumen stark. „Dazu gehört auch eine großflächige und belastbare digitale Infrastruktur“, so die BDL-Bundesvorsitzende. Das sei die Grundvoraussetzung, damit niemand aufgrund seiner Ortsgebundenheit bei der Nutzung digitaler Anwendungen benachteiligt werde, ist sich der BDL-Bundesvorstand einig.