Preisgekrönte Projekte der Vorjahre

PreisträgerInnen des Ernst-Engelbrecht-Preises 2019
Die PreisträgerInnen des Ernst-Engelbrecht-Preises 2019: Die Jury entschied sich schließlich für drei Siegerprojekte und zwei Anerkennungspreise. BDL / Gräschke

2019

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis: 2000 Euro fürs Smoothiefahrrad

Ein Fahrrad, das nicht fährt? Auch wenn man mit dem Einrad aus Landjugendproduktion nicht vom Fleck kommt, bewegt es doch das Land. Denn so, wie es Fitness und Ernährung, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit zusammenbringt, lockt es Passanten an. Aus dem Anschauen und Ausprobieren wird schnell ein Gespräch, wie die Landjugend Württemberg-Baden 2018 bei zahlreichen Veranstaltungen vom Dorffest bis zum Tag des offenen Hofes, von Messen bis zum Schulfest bewiesen hat. Nach dem Tritt in die Pedalen zur Smoothie-Herstellung kommt die Rede fast von selbst auf die Produkte, die in dem frischen Fitmacher stecken, und auf die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Und schon läuft der Dialog mit den Verbrauchern - auf Augenhöhe.

Urteil der Jury: Eine super Mitmach-Aktion, die Vorurteile schneller beseitigt, als der Smoothie ausgetrunken ist. Sie wünscht sich mehr solcher Ideen, die Trends aufgreifen und Zielgruppen erreichen, die sich eher selten für Landjugend und Landwirtschaft interessieren.

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis: 2000 Euro für „Regional is(s)t nah“

Eine Auszeichnung für eine Selbstverpflichtung? Unbedingt! Denn mit ihrer Kampagne trägt die Hessische Landjugend dazu bei, dass auf ihren Veranstaltungen und Aktionen vorwiegend regionale Produkte zum Einsatz kommen. Damit sendet sie ein deutliches Signal an die Gesellschaft, unterstützt die hessische (Land)-Wirtschaft und leistet einen Beitrag zur Sicherung der Zukunft junger hessischer Landwirte. Die Vorbildwirkung bleibt nicht auf ihre Mitglieder beschränkt, denn der Landjugendverband lebt seinen Verhaltenskodex auch bei Großveranstaltungen wie dem Deutschen Landjugendtag. Porzellan statt Einweggeschirr, Milchprodukte vom Hof gleich um die Ecke des Festtagsgeländes, Obst von hessischen Erzeugern... Ihre Strategie geht auf.

Urteil der Jury: Besser lässt sich gelebte Solidarität mit den Erzeugern und Vermarktern vor Ort kaum zeigen. Ein Projekt mit Vorbildwirkung für den Einzelnen, aber auch für andere Verbände, das noch mit kreativen Umsetzungsvorschlägen nachlegen kann.

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis: 4000 Euro für die Landjugendapp

Sie will ein lebendiges Netzwerk für junge Menschen in den ländlichen Räumen; ein Netzwerk, das das Jungsein auf dem Land leichter macht - für alle. Der Landjugend Oberfranken ist egal, ob die Nutzer ihrer App in einem Landjugendverband aktiv sind oder nicht, ihnen ist egal, woher sie kommen oder welchem Glauben sie anhängen, ob sie dauerhaft auf dem Land leben oder nur mal so da sind. Und weil sie überzeugt sind, dass das funktionieren kann, haben sie ein Programm entwickelt, mit dem sich die vielfältigen Veranstaltungen auf dem Land digital, schnell, jugendgerecht und überregional aufs Handy holen lassen. Dafür haben sie nicht nur den Schulterschluss mit den konfessionellen Landjugendverbänden gesucht, sondern schon bei der Entwicklung die Übertragbarkeit auf andere Bundesländer mitgedacht. Und das nicht von oben nach unten, sondern von den Landjugendlichen selbst, die sie entsprechend der eigenen Bedürfnisse ausgerichtet haben. So hat die Landjugend-App das Zeug dazu, junge Menschen orts-, verbands- und religionsübergreifend zu verbinden, und niederschwellig Beteiligung möglich zu machen.

Die Jury urteilt: Die App lebt von den Menschen, die sie füllen und nutzen. Dann aber kann sie mehr sein als ein digitaler Terminkalender - eine Lebenshilfe für junge Menschen in den ländlichen Räumen. Auch wenn die App bei oberflächlicher Betrachtung nur bedingt innovativ scheint, kann sie das Land bewegen, wenn viele mitmachen. 

Anerkennungspreis „Integration!“: 1000 Euro für Sagy Cohen

Integration gelingt nur dort, wo Menschen sich aufeinander einlassen. Deshalb sind persönliche Begegnungen so wichtig. Für den gebürtigen Israeli Grund genug, selbst Brücken für die jungen Menschen auf dem Land zu bauen. Der Integrationstrainer stellt Verbindungen her, die es vorher nicht gab. Mit Kochabenden, Fußballturnieren und Projekten von Einheimischen und Migranten trägt er dazu bei, dass gegenseitiger Respekt und der Sinn für Gemeinsamkeiten wachsen.

Urteil der Jury: Das ist die Basis für ein Miteinander, das unsere Gesellschaft zusammenhält, weil sie Teilhabe ermöglicht und das Interesse für das Leben auf dem Land weckt.

Anerkennungspreis „Inklusion!“: 1000 Euro für CVJM Pfalz

Wenn Bildung über nachhaltige Entwicklung, biologische Vielfalt und zivilgesellschaftliches Engagement im ländlichen Raum gemeinsam mit Inklusion gelebt wird, fällt das auf. Erst recht, wenn ein Verband aus der Jugendarbeit und nicht aus der Behindertenhilfe kommt. Für sein Projekt "Wir machen den Wald begreifbar - Waldpädagogik auch mit Menschen mit Behinderung" hat der CVJM Pfalz sich ein Netzwerk aufgebaut, das Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsame Erlebnisse auf dem Land vermittelt.

Urteil der Jury: Unwegsames Gelände für jeden erlebbar und den Wald für jeden begreifbar machen, ist eine Herausforderung, die der CVJM Pfalz sehr jugendspezifisch meistert.

2017

Die PreisträgerInnen des Ernst-Engelbrecht-Preises 2017
Die PreisträgerInnen des Ernst-Engelbrecht-Preises 2017: Die Jury entschied sich schließlich für drei Siegerprojekte und zwei Integrationsaktionen. BDL / Gräschke

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis: 3000 Euro für agriKULTUR

So viel Praxis- und Verbrauchernähe ist selten. agriKULTUR ist ein YouTube Kanal, auf dem JunglandwirtInnen ein realistisches Bild „ihres“ landwirtschaftlichen Alltags zeichnen. Mit ihren Videoclips über die Arbeit im Stall, auf dem Acker oder Weinberg versachlichen sie die gesellschaftliche Debatte über die moderne Landwirtschaft, ohne langweilig zu werden. Ganz im Gegenteil: Kurzweilig und verständlich, spannend geschnitten und authentisch vermitteln sie Laien Wissen und Leidenschaft für die Landwirtschaft. Charmant und frisch verbinden sie darin Tradition und Moderne, Land und Technik. Und sie wollen weiter machen, weitere Tätigkeiten verständlich machen, die Vielfalt der Landwirtschaft zeigen. Die Jury urteilt: Mehr davon!

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis: 2000 Euro für Comeback Elbe-Elster

Der praktische Ansatz überzeugt. Da haben sich junge Menschen zusammengeschlossen, um mit Leidenschaft und guten Ideen den demografischen Wandel in ihrem Landkreis zu gestalten. Die Initiative Comeback Elbe-Elster macht ihrem Namen alle Ehre. Sie baut Brücken zu Rückkehrwilligen und ebnet ihnen den Weg. Im vorigen Sommer hat die Gruppe ein leerstehendes Geschäftshaus in Finsterwalde als Pop-up-Store genutzt - als Willkommensagentur, Heimatladen und Arbeitszimmer. Sie öffnet Neuankömmlingen, aber auch Alteingesessenen die Augen für die Chancen ihrer Region - mit reichem Erfahrungsschatz, regionalem Wissen und belastbarem Netzwerk lokaler Akteure. Die Jury sagt: Ein innovatives Konzept, das sich zur Nachahmung empfiehlt. 

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis: 2000 Euro für Land(er)leben

Besser lässt sich das Interesse an den Grünen Berufen außerhalb der Branche kaum wecken. Das Projekt der Westfälisch-Lippischen Landjugend erlaubt es jungen Menschen, in Ferien oder Urlaub das Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof live kennenzulernen. Es greift damit einen Trend auf und bietet aktiven Individualurlaub. Land(er)leben garantiert jungen Menschen eine unvergleichliche Zeit jenseits des Alltagstrotts. Zugleich gewinnt die Landwirtschaft. Denn sie kann mit dem Blick hinter die „Kulissen“ schon heute für die Zukunft von morgen begeistern und sorgt für Wertschätzung der Branche. Ein Projekt, das Durchhaltevermögen braucht, aber langfristig wirkt, lobt die Jury.

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis „Integration!“: 1500 Euro für die 72-Stunden-Aktion

Eigentlich sind 72 Stunden andauernde und Werte schaffende Aktionen bei der Landjugend nichts Besonderes. Nicht so, wenn die Landjugend Gnodstadt mit Flüchtlingen und Asylbewerbern drei Tage lang gemeinsam fürs Land aktiv wird. Und das im Juni 2015. Allen Vorurteilen und Sprachproblemen zum Trotz sorgte die Landjugend dafür, dass neue und alte Dorfbewohner gemeinsam eine Sitzgruppe behindertengerecht umbauten und den Gehweg erneuerten. Was beim Smalltalk bei der Arbeit mit Händen und Füßen begann, ist heute Alltag. Geflüchtete spielen für das örtliche Fußballteam, sind beim wöchentlichen Stammtisch und gehören zu Gnodstadt wie die Landjugend. Das Urteil der Jury: Ein zeitiges Musterbeispiel für nachhaltige Integration vor der eigenen Haustür.

Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis „Integration!“: 1500 Euro für „Gemeinsam Neues säen“

Der Name ist Programm. Der Aktionstag in Pullach, bei dem junge Deutsche und Geflüchtete zusammen pflanzten und kochten, arbeiteten und aßen, hat die Weichen für die gemeinsame Zukunft und ein Miteinander, das diesen Namen verdient, gestellt. Das Besondere: Bayerische Jungbauernschaft und Junggärtner zeigten dabei ganz praktisch, welche Berufschancen die grüne Branche bietet. Denn sie hatten die Ansprechpartner vor Ort, konnten Fragen beantworten, Kontakte herstellen… So entstanden nicht nur Hochbeete voller Gemüse und Kräuter, sondern auch Gemeinschaft und persönlicher Austausch, ein Grundwissen über mögliche Ausbildungsberufe und Interesse aneinander. Weitersagen empfiehlt die Jury und lobt den starken Bezug zur beruflichen Bildung bei der Integrationsarbeit.

<< Zurück zur Übersicht