Landwirtschaftlicher Berufsstand in Gefahr

Sprich mich an!

Artikel 23.10.2019

„Nicht der Unmut treibt die Landwirte auf die Straße, sondern die Sorge, dass die Landwirtschaft in Deutschland keine Zukunft mehr hat“, so der Vorstand des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. Am Tag nach den Demonstrationen in Bonn und überall im Bundesgebiet ruft er zum Dialog auf. „Sprich mich an!“ heißt es bei den Junglandwirtinnen und Junglandwirten in den sozialen Netzwerken. Der grüne Nachwuchs sieht seinen Berufsstand in Gefahr.

Gemeinsam werben sie in einer Gesellschaft, in der Landwirte verunglimpft und eingeschränkt werden, für gegenseitigen Respekt und Verständnis in der Gesllschaft. „Aufeinander zugehen heißt sich bewegen – Schritt für Schritt mit Gespür für das Unumgängliche auf der einen und das Machbare auf der anderen Seite. Das braucht Wertschätzung für die Leistungen der anderen“, so die gewählten Vertreter des größten Jugendverbandes im ländlichen Raum.

Die Herausforderungen sind zu groß, als dass sie per Dekret gemeistert werden können. Eine klimaverträgliche Landwirtschaft, die zu den wachsenden gesellschaftlichen Ansprüchen passt, die Weltbevölkerung ernährt und von der die dort tätigen Familien leben können, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher hängt die Zukunft der Landwirtschaft in besonderem Maße von den politischen Rahmenbedingungen und deren weiterer Ausgestaltung ab.

Die Junglandwirte und Junglandwirtinnen im BDL wollen die Dinge nicht laufen lassen, sondern anpacken und die Landwirtschaft der Zukunft mit ihrer Expertise mitgestalten. Doch dafür brauchen sie Antworten auf Fragen wie: Lohnt sich Landwirtschaft in 20 Jahren noch? Welche Art von Bewirtschaftung wünscht sich die Gesellschaft? Wie lassen sich Ökologie und Ökonomie miteinander vereinbaren?

Junglandwirte sind auch Verbraucher. In ihrer Doppelfunktion als Konsumierende kennt der grüne Berufsnachwuchs die Sorgen und Nöte der Menschen aus eigener Erfahrung. Wie vielen anderen Verbrauchern liegen den Junglandwirten und Junglandwirtinnen Insektenschutz und Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz am Herzen. Mit Blühstreifen auf Äckern, Umbauten in Ställen sowie einer präzisen Ausbringung von Produktionsgütern auf den Feldern arbeiten sie bereits heute an der Lösung der drängenden Probleme dieser Zeit. Leider wird dieses Engagement oft übersehen.

Dringend nötige Rahmenbedingungen fehlen noch. „Eine ökonomisch, ökologisch sowie sozial nachhaltige Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe ist kein Selbstläufer. Denn die Junglandwirte arbeiten nicht nur mit der Natur, sie müssen auch langfristig planen und investieren. Ihre Entscheidungen wirken sich erst auf lange Sicht aus. Jahrzehnte später müssen sie immer noch zur Gesellschaft und ihnen passen, die Familien versorgen. Da lässt sich nicht mal eben alles umstellen oder mal schnell was ausprobieren“, heißt es im BDL-Bundesvorstand.

 „Die Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, brauchen ein klares Bekenntnis der Gesellschaft für den Agrarstandort Deutschland“, so der BDL-Bundesvorstand. Dazu gehören faire Erzeugerpreise für hochwertige Lebensmittel, dazu gehören klare Zukunftsvorhaben und -vorgaben der Politik. „Nur so lässt sich Planungssicherheit schaffen. Sich ständig ändernde Gesetze und immer neue Auflagen gefährden die Wirtschaftlichkeit einzelner Betriebe sowie die Motivation derer, die die Zukunft der Landwirtschaft sind“, so die BDL-Verbandsspitze.

Landwirtschaft ist kein Selbstzweck. Wenn die Weichen für eine gemeinsame Zukunft gestellt werden, dürfen nicht die Landwirte, die umweltverträglich und Artenvielfalt-fördernd arbeiten, die Leidtragenden sein. Auch das wollen die Junglandwirte und Junglandwirtinenn mit „Sprich mich an“ vermitteln. Sie sind mit ihren Erfahrungen am eigenen Beispiel für die Verständigung bereit.