Gelungener Vertiefungskurs im Gruppendolmetschen

Sprache überwindet Mauern

Artikel 05.11.2019
BDL / Marer

Mit Sprache und Geschichte Mauern überwinden

BDL: Gelungener Vertiefungskurs im Gruppendolmetschen 

Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall hat der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. die neuere deutsch-deutsche Geschichte genutzt, um einmal mehr Brücken zu bauen. Denn nur wer sich der Geschichte bewusst sei, könne über Grenzen hinweg vermitteln, sagt die stellv. BDL-Bundesvorsitzende Anna Hollenbach: „Das macht unseren Aufbaukurs im Gruppendolmetschen, der die Dolmetsch-Praxis mit Geschichtsvermittlung verbindet, so besonders.“

Für viele der Engagierten aus vier Nationen, die sich in den vergangenen Tagen in Berlin trafen, war es das erste Mal, dass sie das Ende der deutschen Teilung aus anderer Perspektive wahrnahmen. Und zwar nicht als zwangsläufig, sondern als Ergebnis einer menschengemachten, friedlichen Revolution, deren Ende lange ungewiss gewesen war. 

Dazu hatten nicht zuletzt die beiden Radiojournalisten Lutz Oehmichen und Volker Düspohl beigetragen, die so lebendig wie persönlich über ihren Alltag und Beruf zur (Nach-)Wendezeit in Berlin berichteten. Geschichte bekam damit nicht nur zwei Gesichter, sondern musste auch vom Deutschen ins Französische und umgekehrt gedolmetscht werden. Denn dem BDL ging es nicht nur um Erinnerungskultur und die Sensibilisierung für den Mauerfall, sondern auch darum, im internationalen Austausch mit mehr Hintergrundwissen korrekter dolmetschen zu können.

Es gibt so viele Begriffe, die sich nur mit diesen Erfahrungen verstehen und entsprechend in andere Sprachen übertragen lassen. Das haben die 20 Teilnehmenden aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Belgien immer wieder feststellen müssen. Sie lernten bei dem Vertiefungsseminar nicht nur die Perspektiven der Reporter kennen, sondern mussten sie auch ihren Kollegen dolmetschend nahebringen. „Keine leichte Aufgabe - gerade, wenn Geschichte einen berührt“, so die stellv. BDL-Bundesvorsitzende.

Die Landjugend beließ es nicht beim Austausch über die eigene Familiengeschichte, über Gelerntes und Verlerntes der Geschichte, sondern betrachtete den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik in dieser Fortbildung auch aus wirtschaftlicher Sicht. Die Klärung von Begrifflichkeiten wie Treuhand löste die eine, der Perspektivwechsel auf die Situation vor 30 Jahren die nächste rege Diskussion aus. Beide wären ohne geschichtliche Einordnung völlig anders verlaufen, sind sich die Organisatorinnen des BDL einig. 
Gleichzeitig bot der Vertiefungskurs auch außerhalb des geschützten Raumes jede Menge Platz für Dolmetsch-Training - bei den Führungen durch die einst von der Mauer geteilten Straßen Berlins beispielsweise. Auch dazu diente der Aufbaukurs, den der größte Jugendverband im ländlichen Raum in Zusammenarbeit mit der französischen Organisation Cefir und der Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerkes realisierte. Schließlich ging es darum, im Umgang mit dem Konsekutiv-Dolmetschen anspruchsvoller Themen Routinen zu entwickeln. Gerade an Orten, die der Vergangenheit gewidmet sind, ist das aufgrund der oft emotionalen Geschichte eine besondere Herausforderung. 

„Dieser Aufbaukurs bot die seltene Chance, sich auf Geschichte einzulassen und sie zweisprachig zu vermitteln. Wer dabei war, hat für sich einen Weg gefunden, auch in bewegenden Situationen vor Gruppen zu dolmetschen und damit Brücken zu bauen“, stellt BDL-Vize Anna Hollenbach fest. Das sahen die Teilnehmenden ähnlich, die sich einig darüber waren, dass die persönliche Auseinandersetzung mit der Geschichte und die abschnittsweise Vermittlung des Gehörten in eine andere Sprache eine besondere Herausforderung sei. Die Fortbildung habe sie darauf gut vorbereitet.

Interessiert? Die nächste deutsch-französische Fortbildung führt nach Eckernförde, wo die Interessierten im Gruppendolmetscherkurs lernen, Gespräche konsekutiv vom Deutschen ins Französische bzw. vom Französischen ins Deutsche zu übertragen.