BDL mahnt am Tag des Ehrenamtes Achtsamkeit an

Sich auf die Schulter klopfen

Artikel 05.12.2019
Hermann & Richter / Pixabay

„Ständig erreichbar, zeitlich flexibel, belastbar und wertestabil. Führerschein ist von Vorteil.“ Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. zitiert hier keine beruflichen Anforderungen. Vielmehr beschreibt Sebastian Schaller den Alltag der ehrenamtlich Aktiven in seinem Verband: „Ehrenamt ist zwar eine Berufung, aber seine Anforderungen gleichen einer Berufstätigkeit. Trotzdem engagieren sich rund 100.000 junge Menschen mit Überzeugung und Leidenschaft fürs Land im BDL – und das auch rund um die Uhr.“

Scheunenparty und Politiktalk, Gruppenabend, Dorffest oder Ferienfreizeit laufen in den ländlichen Regionen nicht ohne Ehrenamt. Viele Fähigkeiten und Kompetenzen werden gebraucht, viel Kraft, Einsatzfreude und Zeit. „Gerade weil Ehrenamt in der Freizeit stattfindet, ist es nicht ganz einfach, das Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen in Beruf, Privatleben, Engagement und eigener Erholungszeit zu finden, eine Grenze zu ziehen oder auch mal Nein zu sagen“, findet der BDL-Vorsitzende.

Der größte Jugendverband im ländlichen Raum hatte sich zuletzt auch mit Überforderung im Ehrenamt beschäftigt. „Wir wollen unsere Ehrenamtlichen davor bewahren, sich selbst zu überfordern“, erläutert Sebastian Schaller. Wie seine Mitstreiter nimmt auch er die hohe Belastung wahr, die mit dem eigenen Anspruch und den vielfältigen Anforderungen in seinem Amt als Bundesvorsitzender einhergehen.

Qualifizierungsangebote in unterschiedlichen Kompetenz- und Themenbereichen, zu Zeit- und Ressourcenmanagement sind nur eine Seite des Landjugendalltags, die andere ist das gegenseitige Kümmern und Wertschätzen: „Wir feiern den Tag des Ehrenamts am 5. Dezember jeden Jahres, indem wir uns selbst und unseren Ehrenamtlichen auf die Schulter klopfen. Innehalten und besinnen gehört eben nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern muss auch in der Verbandsarbeit immer wieder gelebt und geübt werden. Zu schnell stecken wir schon wieder mitten im nächsten Projekt“, weiß der BDL-Bundesvorsitzende selbst nur zu gut.

Für nächstes Jahr hat sich der Jugendverband daher vorgenommen, den vielen umgesetzten Projekten und Veranstaltungen Rechnung zu tragen und sich Zeit zu nehmen, um Ergebnisse zu sichern und Erkenntnisse verfügbar zu machen. „Zeit und Anlässe zum Feiern und Treffen werden sich trotzdem genug finden“, bekennt Sebastian Schaller schmunzelnd, denn: „Einfach nichts machen geht nicht. Aber Achtsamkeit lernt man bei der Landjugend nicht aus einem Buch, sondern im Tun: im sorgsameren Umgang mit sich selbst und einem guten und aufmerksamen Miteinander der Ehren- und Hauptamtlichen in unserem gesamten Verband“, stellt der BDL-Bundesvorsitzende fest. Nur so trage das Ehrenamt zur Lebensbalance bei und wird zur unerschöpflichen Kraftquelle für jeden Einzelnen, den ganzen Verband und unserer Demokratie.