BDL zum Fraktionsantrag zur Kultur in ländlichen Regionen

„Prüfen“ und „Voranbringen“ reicht nicht

Artikel 27.01.2020
Theaterpremiere Undercover in Gummistiefeln, erarbeitet in einer ländlichen Region
BDL / Gräschke

„So gut wie es am Anfang klingt, findet sich am Ende kaum etwas Handfestes”, kritisiert Sebastian Schaller den Antrag der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD, der Mitte dieser Woche im Bundestag zur Debatte steht. Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. lobt die Zustandsbeschreibung im Antrag „Kultur in ländlichen Räumen stärken – Teilhabe ermöglichen“: „Es stimmt, ländliche Räume sind besonders reich an Bräuchen und Traditionen. Und ja, wir befinden uns in Umstrukturierungsprozessen“, bestätigt er.

In seinem Verband gehören beispielsweise Volkstanz und Erntedankumzug, das Aufstellen von Maibäumen oder Strohpuppen zur Brauchtumspflege und werden ganz selbstverständlich modern interpretiert. Es wird Theater gespielt und es werden Festivals ausgerichtet, Filme gezeigt und Dorffeste organisiert – ein kleiner Ausschnitt des meist auf Engagement basierenden kulturellen Lebens auf dem Land.

„Der Antrag gibt einen wunderbaren Überblick über die bisherigen Förderprogramme, das eigentliche Problem wird aber nur schemenhaft umrissen: Kultur und Brauchtumspflege brauchen stetige Förderung“, stellt der Bundesvorsitzende des größten Jugendverbandes im ländlichen Raum fest.

Die Fraktionen berichten im Antrag (19/7426) selbst, dass kulturelle Einrichtungen und Strukturen aus bisherigen Programmen auch dauerhaft etabliert werden könnten. Aber eben nur könnten. Nicht werden. Oder zumindest sollen. Und natürlich nur „innerhalb des bestehenden Finanzrahmens.“ Der BDL setzt sich hingegen schon länger dafür ein, eine Grundgesetzänderung herbeizuführen, um dem Bund in Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen zu ermöglichen, Jugendverbandsarbeit, Ehrenamt und Kultur insbesondere in strukturschwachen ländlichen Regionen dauerhaft zu fördern.

Aus Landjugendsicht wäre die Grundgesetzänderung bei der Gemeinschafsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK) ein guter Weg, um die langfristige Strukturförderung in ländlichen Regionen zu verankern. Notwendig wäre die Erweiterung des Artikels 91a im Grundgesetz um die „Entwicklung ländlicher Räume“. Zugleich solle die Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz bestehen bleiben und gefördert werden wie bisher, erläutert Sebastian Schaller.

Die Bundesregierung wird in dem Antrag nach BDL-Geschmack zu oft nur aufgefordert, Konzepte vorzulegen, etwas „zu prüfen“ oder „wenn möglich, bundesweit weiter auszubauen.“ „Da fehlt die Substanz und mir vielleicht die Geduld“, gibt Sebastian Schaller zu. Doch er bleibt hartnäckig: „Über die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und die damit einhergehenden strukturellen Änderungen in den ländlichen Regionen reden wir seit über drei Jahrzehnten! Wie lange wollen wir noch die Schulbank drücken und Arbeiten schreiben, bevor wir endlich loslegen“, fragt er.

Wenn es um Zusammenhalt, Gleichwertigkeit und Demokratie geht, sei für den Einzelnen sein Umfeld von großer Bedeutung. „Wir müssen dafür sorgen, dass jeder Mensch in Deutschland spürt, dass Politik, Staat und Verwaltung daran interessiert sind, allen - in Stadt und auf dem Land - ein gutes Leben zu ermöglichen. Engagement und Ehrenamt dürfen keine Einbahnstraße sein. Hier sind Augenmaß und echter Einsatz von staatlicher Seite gefragt“, poltert der BDL-Bundesvorsitzende. Das koste nun mal Geld, das es dringend umzuschichten gilt, um dauerhafte Strukturen in ländlichen Regionen zu sichern, so Sebastian Schaller, stellvertretend für die rund 100.000 ehrenamtlich Aktiven, die sein Jugendverband vertritt, „einen zahnlosen Tiger wie diesen Antrag brauche es indes nicht.“