BDL: Nachjustierung bei Engagementstiftung

Noch kein weiter Wurf

Artikel 29.10.2019
BDL / Gräschke

„Wer Engagement unterstützen möchte, muss die Strukturen stärken, in denen sich die Menschen engagieren.“ Das steht für Sebastian Schaller, den Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. fest. Darum sei es gut, dass die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt es aus den Startlöchern in den Bundestag geschafft hat. Allerdings sieht er die Gefahr, dass nicht nur bestehende zivilgesellschaftliche Strukturen gestärkt und - wo es keine gibt - ihr Aufbau unterstützt wird, sondern dass parallel zu vorhandenen Netzwerken in neue investiert wird. „Das wäre nicht im Sinne der Erfinder“, warnt der junge Mann.

Als Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey am Freitag im Bundestag den Gesetzentwurf vorstellte, bezog sie sich auf das Gespräch bei der Übergabe der Erntekrone von BDL und Deutschem LandFrauenverband: „Die jungen Menschen haben mir erzählt, was sie sich wünschen, nämlich dass auf dem Land alles genauso gut erreichbar ist, dass die Jugend auch dort Möglichkeiten hat, dass das Engagement auch dort Unterstützung bekommt, wo sonst nicht so viel los ist. Deshalb ist es gut, dass wir uns gemeinsam darauf verständigt haben, gerade in den strukturschwachen Regionen in Ost und West mit dieser Stiftung zusätzliche Unterstützung zu geben…“

So sehr der BDL das gemeinsame Vorhaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) begrüßt, so sehr hadert er mit der Priorität „Beratung und Informationsangebote“ in der Satzung der geplanten Engagementstiftung. Aus Sicht des Jugendverbandes gibt es weniger ein Knowhow- oder Wissensproblem, vielmehr bestehe ein Mangel an struktureller und personeller Unterstützung.

Zu oft seien bundesweite, regionale und soziale Infrastrukturen prekär, so Schaller. Die Kritik des größten Jugendverbandes im ländlichen Raum setzt auch an der häufigen Projektförderung an, die dazu beitrage, dass sich ehrenamtlich Engagierte u.a. mit Folgefinanzierungen, dem Zusammenbruch mühsam aufgebauter Strukturen nach Projektende, überzogener Bürokratie, Frustration und Motivationsmangel beschäftigten müssen.

In der im Bundestag debattierten Fassung sei laut BDL zudem die Zivilgesellschaft in ihrer Breite zu wenig vertreten. Er empfiehlt, das in den vorherigen Beratungen angedachte Kuratorium wieder aufzugreifen und damit die Expertise der Zivilgesellschaft bei der weiteren Ausgestaltung der Stiftungsprogramme hinzuzuziehen.

„Erklärtes Ziel des BDL ist es, Ehrenamt und Engagement in ländlichen Regionen dauerhaft durch finanzielle Förderung zu unterstützen und den Auf- wie Ausbau der Strukturen auf allen Ebenen zu stärken“, fasst Sebastian Schaller die Forderungen zur Nachbesserung des Engagementgesetzes zusammen. Die sind nicht neu, hatte der BDL sich doch intensiv am Arbeitsprozess der Kommission „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ beteiligt, deren zentrales Ergebnis die öffentlich-rechtliche Stiftung ist. Daher verwundert es wenig, wenn der Jugendverband die Umsetzung eines Demokratiefördergesetzes unterstützt. „Hauptsache, wir schaffen endlich verbindliche und langfristige Programme – auch und insbesondere für prekäre ländliche Regionen. Dann würden unsere Forderungen von 2008 endlich erfüllt“, so der BDL-Bundesvorsitzende.