EU-Forschungsprojekt verabschiedet sich nach vier Jahren

Newbie bleibt

Artikel 20.12.2021
BDL / Gräschke

„Vier Jahre lang hat das europäische Netzwerkprojekt Newbie unsere Landjugendarbeit stetig begleitet. Zwar läuft es zum Jahresende aus, aber Vergangenheit ist Newbie damit nicht“, verspricht Mara Walz. Für die stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend e.V. (BDL) steht fest, dass gerade die im Austausch gewachsene Kreativität fortleben wird – und zwar nicht nur was digitales Netzwerken angeht, sondern auch in Bezug auf die innovativen Markteinstiegsmodelle, die europaweit schon den Sprung in die Praxis geschafft haben.

Um Newbies – Neulinge im Agrarbereich – drehte sich in dem Projekt alles. Sie beim Einstieg in die Landwirtschaft zu unterstützen, war das große Ziel der zehn Kooperationspartner aus neun europäischen Ländern. Schnell hatten sie erkannt: Egal in welchem Land oder welcher Ausgangsposition Neueinsteiger:innen starten, alle sehen sich mit ähnlichen Hindernissen konfrontiert – dem Zugang zu Land, dem Zugang zu Kapital, dem Zugang zu Märkten und auch zu Informationen. „Zuhören, Austausch – immer bereit, innovative Ideen herauszufiltern, mit denen sich die Hindernisse aus dem Weg räumen lassen“, beschreibt BDL-Vize Walz die Zusammenarbeit.

 „Wir haben viel vom genauen Blick über den Tellerrand gelernt“, sagt sie und nennt als Beispiel den Landfonds Niederlande. Mindestens genauso viel wie vom Einfallsreichtum, den Newbies europaweit bei der Finanzierung ihrer Projekte, bei Produktideen, bei der Vermarktung, bei Geschäftsmodellen und vielem anderen bewiesen haben. Diesen Input hat das Projekt gesammelt, gebündelt und verarbeitet: Vom Innovationswettbewerb, über nationale Fachbeiräte, Diskussionsrunden, Videoporträts und Newbie Award bis hin zu unterschiedlichen Werkzeugkästen haben die Newbie-Partner viel geleistet.

„Keine Sorge, die Ergebnisse verschwinden nicht einfach mit dem Ende des Förderzeitraums. Das Netzwerk, das wir geknüpft haben, und viele der von uns allen erarbeiteten Ressourcen bleiben erhalten. Nicht nur der YouTube-Kanal Newbie.eu liefert mit knapp 90 Betriebs­geschich­ten aus ganz Europa weiterhin Ideen und versorgt mit Erfahrungen zum Einstieg in die Landwirtschaft. Auch die Projekt-Webseite www.newbie-academy.eu bleibt für alle Interessierten offen, und unser Toolkit zur landwirtschaftlichen Direktvermarktung www.newbie-direktvermarktung.de natürlich, das wir auch Up-to-Date halten werden“, kündigt die stellv. BDL-Bundesvorsitzende an.

Für den größten Jugendverband im ländlichen Raum bleibt die Unterstützung von Newbies weiterhin ein Thema. „Wir haben gelernt, dass zwar vor allem Quereinsteiger und -einsteigerinnen ohne Familienbetrieb innovativ sein müssen, um sich behaupten zu können. Doch auch für die klassische Hofnachfolge wird es ohne alternative Modelle in Zukunft schwieriger werden, sich in der Landwirt­schaft zu behaupten“, schätzt Mara Walz ein. Sie weiß, dass Newbie zwar nicht alle Antworten liefert, aber viele gute Ideen und Wege, die den Einstieg erleichtern. „Bei alledem hat Newbie gezeigt, wie wichtig Netzwerke sind. Der Austausch und ein gutes Miteinander können helfen, den eigenen Betrieb zukunftsfähig zu machen“, fasst die stellv. BDL-Bundesvorsitzende zusammen.

 

Newbie
Newbie steht für new entrant network. Von 2018 bis 2021 arbeiteten zehn europäische Partner aus Forschung und Praxis an dem durch die Europäische Union geförderten Projekt Newbie - wörtlich übersetzt: Neueinsteiger:in. Gemeinsam hatten sie das Ziel, diese zu unterstützen. Denn Junglandwirt:innen stehen vor großen Herausforderungen. Dazu gehört der Zugang zu Land, Kapital, Märkten… Das Newbie-Netzwerk entwickelte Werkzeuge und gibt ihnen Informationen an die Hand, damit sie ihr Unternehmen erfolgreich aufbauen können. Damit sollen die ländlichen Räume in Europa auf lange Sicht erhalten und nachhaltig weiterentwickelt werden. Zu den Projektträgern gehörten neben dem BDL und der Fachhochschule Südwestfalen, Universitäten aus Belgien und Slowenien, aus Portugal und den Niederlanden, Forschungsinstitute und Verbände aus Bulgarien, Großbritannien, Frankreich und Irland.