Leidenschaftliche Tischkussionen beim Junglandwirtelunch

Mit eigener Kommunikation aus der Filterblase

Artikel 26.06.2019
BDL, Carina Gräschke

„Wir müssen uns nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Wir Junglandwirte müssen unsere eigenen Wege suchen, um unsere Arbeit noch öffentlicher zu machen“, so Stefan Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V.: „Nur mit eigener Kommunikation kommen wir aus der Filterblase“, fasste er die von vielen unterschiedlichen Erfahrungen geprägten Diskussionen beim Junglandwirtelunch zusammen.

Es war eine mutmachende Veranstaltung vom Projekt JunglandwirtInnen beim Deutschen Bauerntag in Schkeuditz, mit dem BDL und Deutscher Bauernverband (DBV) e.V. einen Nerv getroffen haben. Mehr als 100 agrarische Nachwuchskräfte waren ihrer Einladung zum Austausch unter dem Motto „Raus aus der Defensive - Echte Landwirtschaft braucht echte Kommunikation“ gefolgt.

Dort ging es Mittwochmittag ans Eingemachte. Dafür sorgte auch Input-Redner Christoph Becker, ein junger Schweinemäster aus Niedersachsen, der gern mal aneckt - auch im eigenen Berufsstand. „Nur weil etwas legal ist, ist es nicht unbedingt richtig“, forderte er das junge Publikum zum Umdenken auf. „Wir werden nicht nur unsere Ställe verändern müssen, sondern auch unsere Darstellung“, stellte er fest.

Nach seinen direkten Worten brauchte es nur noch ein „Guten Appetit“, um die Diskussionen bei Tisch - Tischkussionen, wie sie der BDL nennt - zu befeuern. Bei Würstchen und Kartoffelsalat wurde deutlich, dass viele wissen, dass sie sich anders oder überhaupt darstellen müssen, weil die reine fachliche Argumentation über die Sachebene bei den Menschen nicht ankommt. „Wir müssen positive Bilder zeigen und Emotionen wecken“, schlägt Christoph Becker vor. Dazu gehöre es eben auch, sich an Aktionen des Berufsstands wie dem „Tag des offenen Hofes“ zu beteiligen.

An den Tischen kam aber auch die Frage auf, was die beste Selbstdarstellung und das authentischste Video denn bringen, wenn sie die Menschen nicht erreichen, für die sie bestimmt sind. Ein Patentrezept, um die landwirtschaftliche Filterblase zum Platzen zu bringen, hatte keiner. Aber für die Teilnehmer des BDL-DBV-Junglandwirtelunchs steht fest, dass sie den Mut und den Willen zur Veränderung brauchen. „Dafür muss jeder seinen eigenen Weg finden. Aber Fakt ist, dass jeder öffentlich aktiv werden muss - für den Berufsstand und nicht nur für sich selbst“, so BDL-Vize Stefan Schmidt.

Projekt JunglandwirtInnen

Gegründet, um jungen Landwirtinnen und Landwirten eine Plattform zu bieten, ist das Projekt von BDL und DBV ein Dauerbrenner. Denn es geht um den Austausch von Meinungen und Erfahrungen, um neue Kontakte zu Gleichgesinnten und Impulse für die Arbeitskreisarbeit vor Ort - kurz: Es will die Vernetzung im jungen Berufsstand stärken. Das Projekt JunglandwirtInnen wird von der Landwirtschaftlichen Rentenbank unterstützt.