Zum anstehenden Bundesratsbeschluss

Mehr Jugend in der Engagementstiftung

Artikel 13.02.2020

(BDL) „Bei aller Kritik, die wir immer noch haben, unterstützen wir die Stiftung und halten Neustrelitz für einen guten Standort“, sagt Sebastian Schaller. Denn die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt könne einen Unterschied für die ländlichen Räume machen, so der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. Er ist gespannt, ob der Bundesrat morgen den Weg für die öffentlich-rechtliche Stiftung frei machen wird, die insbesondere das Engagement und Ehrenamt in ländlichen Räumen stärken will.

Der BDL hat sich in den vergangenen Monaten durchaus kritisch mit der Engagementstiftung auseinandergesetzt. Teile der Kritik sind in den vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf eingeflossen. So könne der Stiftungszweck jetzt „zusätzlich auch durch finanzielle Förderung erfüllt werden.“ Doch das sei ein Kann, bemängelt Sebastian Schaller. Die Stiftung dürfe auf keinen Fall im Kleinklein stecken bleiben und ausschließlich beraten und Projekte fördern, sondern müsse aktive Strukturförderung betreiben, heißt es im größten Jugendverband im ländlichen Raum.

„Belastbare Engagementstrukturen wachsen nicht über Nacht“, warnt Sebastian Schaller. Für ihn steht fest: „Sie brauchten langfristige Unterstützung. Ohne Strukturförderung, die auf Zeiträume über fünf Jahre hinaus angelegt ist, macht die Stiftung insgesamt und speziell für strukturschwache und ländliche Räume wenig Sinn.“

Wichtig bleibe, dass die Förderung die Bedürfnisse der ehrenamtlich Aktiven trifft und vor Ort langfristig Unterstützung bietet. Es gehe nicht darum, GEMA-Anträge korrekt auszufüllen, so Schaller, sondern darum, ehrenamtliches Engagement auf Dauer zu erhalten. Schon der Aufbau und Unterhalt der Stiftung, die mit 75 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ausgestattet sein soll, braucht einen Teil der zur Verfügung stehenden Gelder von jährlich 30 Millionen Euro. „Die Stiftung darf sich nicht selbst verwalten, sie muss Wirkungen zeigen und fördern“, beschreibt der BDL-Bundesvorsitzende seine Erwartungen.

Dazu gehört für ihn ausdrücklich, dass ein besonders herausgehobener Schwerpunkt der Stiftung die Unterstützung von jugendlichem Engagement ist. Hier müsse mehr getan werden als bei Gruppierungen, die finanziell unabhängig sind. „Und zwar signifikant, denn bei Jugendlichen werden die Weichen noch dafür gestellt, wie ihr Engagement und ihr Einsatz für unsere Gesellschaft in Zukunft aussieht“, so Sebastian Schaller. Junge Menschen stehen noch nicht auf eigenen Füßen und verfügen daher über geringere Ressourcen als mitten im Berufsleben oder im Rentenalter stehende Engagierte. „Jugendliche, die sich engagieren, tun was für ihr Land, also kann das Land auch was für diese Jugendlichen tun“, so die Devise des BDL-Bundesvorsitzenden.

Deshalb fordert er auch, „dass Jugend, aber auch ländliche Räume im Stiftungsrat entsprechend vertreten sind.“ Sebastian Schaller spezifiziert das gern: „Das muss passen und angemessen sein. Die Menschen, die hier entscheiden, müssen wissen, worüber sie sprechen.“ Eins ist ihm persönlich, aber auch dem BDL dabei besonders wichtig: „In so einen Stiftungsrat gehören Demokraten. Demokratiefeinde haben da nichts zu suchen.“

Zugleich warnt der größte Jugendverband vor dem Aufbau von Parallelstrukturen durch die Stiftung. „Nichts schädigt ehrenamtliches Engagement mehr, als wenn bestehende Strukturen - wie sie von freien Trägern und Verbänden etc. teilweise mit großer Mühe aufrechterhalten werden - von oben z.B. durch eine Stiftung ersetzt und damit in den Augen der Engagierten ,zerstört‘ werden und damit das Engagement als sinnlos degradiert wird. Gerade in Ostdeutschland und in ländlichen und strukturschwachen Gebieten herrschen große Sensibilitäten dafür, wie wertschätzend mit dem Bestehenden umgegangen wird“, bezieht der BDL in seinem im Herbst verabschiedeten Grundsatzpapier Engagement und Ehrenamt Stellung.