BDL: Mehr Unterstützung für internationalen Austausch

#internationalheart

Artikel 02.09.2019
Pixabay / Altmann

„Die Welt kommt heute nicht mehr nur direkt ins Wohnzimmer - wir tragen sie den ganzen Tag bei uns: in unserer Hosen- oder Handtasche“, so Anna Hollenbach. Die stellvertretende Vorsitzende im Bund der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. ist da keine Ausnahme: Nachrichten, Posts in unserer Timeline oder Videos geben ihr auf dem Smartphone täglich Einblicke in andere Länder, Kulturen und Lebenslagen.

„Manchmal schwanken wir bei all den Bildern zwischen Neugier und Schrecken. Internationaler Austausch ist hier ein wichtiger Schlüssel zum Verstehen“, erläutert die junge Frau stellvertretend für den BDL. Für den Jugendverband gehören Fahrten ins Ausland, bi- oder trinationale Ferienfreizeiten und internationale Seminare zum festen Bestandteil seines breit gefächerten Angebots - und das seit 70 Jahren.

„Sich fremd fühlen, ist eine wichtige Erfahrung im Leben“, erläutert die Erzieherin aus Baden-Württemberg. „Zu erkennen, dass man sich auch in der Fremde zurecht findet, Freunde trifft und neue Erfahrungen nach Hause bringt, hilft auch im Alltag“, ergänzt sie. Mal aus der eigenen Komfortzone herauszukommen, neue Menschen und eigene Kompetenzen zu entdecken, wie es der größte Jugendverband im ländlichen Raum ermöglicht, stärkt das Selbstbewusstsein.

Das kann wie in diesem Jahr Nordirland, Portugal, Ungarn oder Frankreich sein. Zum Landjugendalltag gehören auch die internationalen Lehrfahrten und interkulturellen Begegnungen im Jahresprogramm. Oder eben die Rural Youth Europe Rally. Gerade ging sie zum 62. Mal zu Ende. Wie in jedem Sommer trafen sich junge Europäer aus den nationalen Landjugendverbänden zum Austausch, diskutierten aktuelle Herausforderungen, schlugen Brücken und erkundeten gemeinsam das Gastgeberland. Mittendrin ein deutsches Team, zu dem sich im nächsten Jahr ein zweites gesellen kann. Das haben die Delegierten bei der anschließenden Mitgliederversammlung des europäischen Landjugendverbandes in England beschlossen. Und gewählt wurde in Gloucestershire auch: Birgit Kuslap aus Estland und Niall Evans aus Wales sind neu im RYEurope-Vorstand.

Mit der gleichen Regelmäßigkeit engagiert sich der BDL auch bei der europäischen Junglandwirtevertretung CEJA (Conseil Européen des Jeunes Agriculteures). In beiden Dachverbänden geht es darum, gemeinsame Forderungen in der europäischen Politik zu platzieren und die internationalen Netzwerke mitzugestalten.

„Natürlich kennen wir Sprachbarrieren“, gibt Anna Hollenbach unumwunden zu. „Auch inhaltlich ist nicht immer alles Konsens. Doch die Begegnungen bringen uns alle weiter: Im direkten Kontakt mit Franzosen, Slowenen oder Briten ist es einfacher, mal über den eigenen Tellerrand zu gucken.“ Ganz selbstverständlich kommen dann auch der Brexit zur Sprache, die Reform der EU und das Schengener Abkommen zur Abschaffung der stationären Grenzkontrollen an den Binnengrenzen der EU wird hautnah erlebbar.

„Genau das macht den internationalen Austausch ja so bedeutend - so werden Nachrichten plötzlich lebendig, hat die EU-Debatte zur Abschottung der EU-Außengrenzen auf meinem Weg nach Ungarn auf einmal was mit mir selbst zu tun“, begeistert sich BDL-Vize Hollenbach. Und ruft deswegen anlässlich der Kampagne der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit (IJAB) dazu auf, vom 16. bis 22. September 2019 die eigenen Austauscherfahrungen unter #internationalheart in den sozialen Medien zu teilen.

„Alle jungen Menschen sollten europäische und internationale Austauscherfahrungen sammeln können. Erasmus+ finanziell aufzustocken und den Zugang zum Förderprogramm für die außerschulische Jugendarbeit zu erleichtern, sind dafür wichtige Schritte“, fordert die stellv. BDL-Bundesvorsitzende.