BDL warnt vor Verzerrung des Modellvorhabens

„Hauptamt stärkt Ehrenamt“ braucht Barometer

Artikel 29.11.2019
Landjugendverband Schleswig-Holstein

Modellprojekt braucht Barometer

„Unsere Forderung wird Realität“, freut sich Sebastian Schaller angesichts des Startschusses des Modellvorhabens „Hauptamt stärkt Ehrenamt“. Allerdings sieht der  Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. Optimierungsbedarf. Aus Perspektive seines Jugendverbandes als großer Träger von Ehrenamt müsse bei Vorgehensweise und Umsetzung nachjustiert werden.

Am Mittwoch hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zusammen mit dem Deutschen Landkreistag mitgeteilt, in welchen Regionen das Verbundprojekt "Hauptamt stärkt Ehrenamt" starten soll. Im Modell soll getestet werden, wie sich nachhaltige das Ehrenamt unterstützende Strukturen aus- bzw. aufbauen lassen.

„Es ist gut, dass verschiedene Regionstypen ausgesucht wurden, die im ganzen Bundesgebiet verstreut liegen. So besteht die Chance, in den drei Projektjahren vielfältige Erfahrungen zu sammeln“, bewertet Sebastian Schaller aus Sicht des BDL die Rahmenbedingungen. Schließlich wolle man herausfinden, wie hauptamtliche Strukturen das lokale Engagement am besten fördern und unterstützen.

„Wir hätten uns allerdings gewünscht“, so der ehrenamtliche BDL-Bundesvorsitzende, „dass nicht nur staatliche Institutionen über Ehrenamt entscheiden und Strukturen entwickeln, sondern auch hier Subsidiarität ernstgenommen wird und freie Träger von Anfang an und umfassend in allen Entscheidungsschritten beteiligt werden.“

Nicht nur ihm sei unklar, wie sichergestellt werden soll, dass die Ergebnisse des Modellvorhabens nachher nicht in Parallelstrukturen münden, die bestehende ehrenamtliche Strukturen gefährden könnten, statt sie zu unterstützen. Da könnten die Erfahrungen der ehrenamtlich getragenen Bundesverbände, die für die ländlichen Räume einstehen, sicherlich helfen.

Mit der Erarbeitung der Fragestellung in den einzelnen Regionen, wie sich das Ehrenamt langfristig unterstützen und stärken lässt, ist es ja nicht getan. Denn die entscheidende Frage ergebe sich aus BDL-Perspektive erst am Ende: Wie gelingt es, die Erkenntnisse des Modellprojekts in der Breite anzuwenden und in bereits vorhandene Systeme zu übertragen?

„Wir müssen vermeiden, die strukturelle Stärkung der Zivilgesellschaft allein von staatlicher Seite voranzutreiben. Die zivilgesellschaftlichen Akteure müssen mitgenommen werden“, stellt Sebastian Schaller fest.

Das Ziel, dauerhaft hauptamtliche Strukturen für die Beratung, Begleitung und Vernetzung von Ehrenamtlichen in ihren Strukturen zu etablieren, sollte Hauptanliegen des Vorhabens bleiben. Doch auch die Umsetzung müsse aus ehrenamtlicher Perspektive sorgsam geprüft sein, heißt es im größten Jugendverband im ländlichen Raum. Keinesfalls darf es geschehen, dass so ein Projekt nur einseitig vorangetrieben wird und Engagierte im Regen stehen lässt. „Wir sind konstruktiv und jederzeit bereit, uns einzubringen und Unterstützung zu leisten“, sagt der BDL-Bundesvorsitzende.