Zur Empfehlung der Borchert-Kommission

Fahrplan für die deutsche Nutztierhaltung

Artikel 11.02.2020

„Das sind keine kleinkarierten Empfehlungen. Das ist ein Stück Zukunft für die Nutztierhaltung, für mehr Tierwohl und Umweltschutz“, so Stefan Schmidt. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. sieht in dem Bericht des „Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung“, der sogenannten Borchert-Kommission, „die Chance, die Landwirtschaft zukunftssicher und den gesellschaftlichen Ansprüchen entsprechend aufzustellen.“ Heute hat das unabhängige Expertengremium seine Empfehlungen für den Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner übergeben.

Der BDL war mit Stefan Schmidt direkt an deren Erarbeitung beteiligt. In den Expertenrunden hat er die Junglandwirte und Junglandwirtinnen vertreten. Für die Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft und Verbänden im Kompetenznetzwerk steht dabei die substantielle Erhöhung des Tierwohlniveaus an erster Stelle.

„Die Nutztierhaltung in Deutschland muss nicht nur so gestaltet werden, dass sie fachlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen genügt, sondern auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben“, so Schmidt. Das sei die große Herausforderung für den landwirtschaftlichen Nachwuchs. „Wenn die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit verliert, entscheiden sich in Zukunft kaum noch junge Menschen für den Einstieg in die Landwirtschaft!“, warnt der BDL-Vize.

Die Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes zum Ausbau einer zielorientierten staatlichen Förderpolitik mit klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen seien ein wichtiger Schritt hin zu einer umweltverträglicheren und tierwohlorientierten Nutztierhaltung in Deutschland. Dabei dürfe diese jedoch nicht zu Lasten finanziell benachteiligter Bevölkerungsgruppen gehen, stellt Schmidt klar. Sollte sie beispielsweise durch eine mengenbezogene Verbrauchsteuer auf tierische Produkte finanziert werden, müsse diese sozialpolitisch flankiert werden.

Den Vorschlag für eine verpflichtende Tierwohlkennzeichnung auf europäischer Ebene betrachtet der stellvertretende BDL-Bundesvorsitzende mit Wohlwollen. „Wenn die anstehende Ratspräsidentschaft unter deutscher Führung eine solche Kennzeichnung in die Diskussion bringen würde, könnte das Wettbewerbsverzerrungen abbauen“, stellt Stefan Schmidt fest. Das würde eine europaweite Harmonisierung des Wettbewerbs in der Nutztierhaltung ermöglichen. „Ein fairer und tierwohlorientierter Handel mit unseren europäischen Partnern wäre ein wichtiger Schritt für die junge Generation“, so Schmidt.

Der Zeitplan der Borchert-Kommission ist ambitioniert. „Zumal auch erst die rechtlichen Rahmenbedingungen festgezurrt werden müssen. Aber die Vorschläge geben eine Antwort auf die Frage, wie die Zukunft der Landwirtschaft gestaltet sein muss. Das ist ein Fahrplan für die deutsche Nutztierhaltung, der Gesellschaft und Landwirtschaft wieder näher zusammenbringen kann“, stellt der BDL-Vize fest.