„Wir bleiben. Aber nicht um jeden Preis.“
„Zukunft im ländlichen Raum ist kein Randthema, sondern verlangt Haltung, Investitionen und politischen Willen. Denn wir wollen auf dem Land leben. Dafür sind wir aktiv. Aber nicht um jeden Preis“, setzen Theresa Schmidt und Lars Ruschmeyer den Ton bei der Jugendveranstaltung des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) auf der Grünen Woche. Verstärkt werden die Worte der beiden Bundesvorsitzenden durch das donnernde Klatschpappen-Gewitter der rund 2000 ehrenamtlich Aktiven im Berliner CityCube.
Unüberhörbar für die Bundesjugendministerin und den Bundeslandwirtschaftsminister, für Bauernpräsident, LandFrauenpräsidentin und die politische Prominenz im Publikum zeigt es: Diese Generation fordert nicht, sie handelt für Betriebe, Dörfer und Demokratie – und sie erwartet politische Verlässlichkeit.
Ministerin Prien: „Dieses Engagement braucht Rückenwind – und den muss Politik geben“
„Die Lebensrealität junger Menschen entscheidet über die Zukunft ganzer Regionen. Gerade im ländlichen Raum prägen Bildung, Arbeit, Mobilität und Digitalisierung den Alltag – und sie bestimmen, ob junge Menschen bleiben, gehen oder zurückkehren“, so Bundesjugendministerin Karin Prien auf der großen Landjugendbühne.
„Trotz besonderer Herausforderungen übernehmen viele Verantwortung für ihre Heimat und gestalten ihre Zukunft aktiv mit“, sagt die Politikerin und stellt klar: „Dieses Engagement braucht Rückenwind – und den muss Politik geben. Das Engagement der Landjugend zeigt jeden Tag, wie viel Zukunft in unseren ländlichen Räumen steckt.“
Was oft romantisiert wird, wird hier nüchtern beschrieben: Ländliche Räume funktionieren nur, weil sich Menschen einbringen. Ehrenamt hält Dörfer zusammen. Jugendgruppen organisieren Treffpunkte, schaffen Angebote, stiften Gemeinschaft. „Ohne dieses Engagement wäre im Dorf schnell tote Hose“, so Ruschmeyer. Demokratie beginne nicht im Parlament, sondern im Alltag.
Der Satz des BDL-Bundesvorsitzenden trifft den Kern. Die Landjugend versteht sich nicht als Zuschauerin politischer Prozesse, sondern als Teil der Lösung. Extremismus, egal von welcher Seite, sei mit diesem Anspruch unvereinbar. „Mit Menschen, die Menschlichkeit, Meinungsvielfalt und demokratische Regeln missachten, können wir politisch nicht zusammenarbeiten“, sagt er.
Viele bei der BDL-Jugendveranstaltung sind Junglandwirte und Junglandwirtinnen. Sie wollen Betriebe weiterführen, die Generationen aufgebaut haben. „Sie investieren Kapital, Zeit und Mut. Gleichzeitig wächst der Druck. Bürokratie, schwankende Märkte und fehlende Planungssicherheit bedrohen Existenzen“, beschreibt seine Amtskollegin Theresa Schmidt die Lage: „Trotzdem: Diese Generation will gestalten und braucht dafür verlässliche Landwirtschaftspolitik.“
Landwirtschaftsminister will Aufbruchstimmung
Nur rund zwölf Prozent der Landwirt:innen sind jünger als 40 Jahre. Gleichzeitig steht der EU-Agrarhaushalt unter Kürzungsdruck. Die Botschaft der Landjugend ist eindeutig: Wer hier spart, spart an Zukunft. Ein starkes, eigenständiges Agrarbudget in der GAP ist Voraussetzung für Hofnachfolge, Investitionen und Perspektiven im ländlichen Raum.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bestärkt die Landjugend: „Der Beruf der Landwirtin und des Landwirts muss wieder attraktiver werden – durch Wertschätzung, faire Rahmenbedingungen und gesicherte Einkommen. Wir brauchen eine Aufbruchstimmung für unsere großartige Branche. Die Hofnachfolge muss wieder Chance und Privileg sein. Genau dafür machen wir Politik: mit weniger Bürokratie, besseren Investitionsbedingungen und einer Agrarpolitik, die Perspektiven für die nächste Generation schafft.“
Der Bund der Deutschen Landjugend e.V. ist der größte Jugendverband im ländlichen Raum in Deutschland. Rund 100.000 junge Menschen, darunter viele Junglandwirt:innen und Jungwinzer:innen, engagieren sich ehrenamtlich in Ortsgruppen, Landesverbänden und auf Bundesebene. Der BDL steht für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und starke Lebens- und Bleibeperspektiven für junge Menschen auf dem Land.
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