Schluss mit alten Mustern
Der BDL-Bundesvorstand stellt zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft klar: Gleichstellung darf kein Versprechen bleiben, sie muss auf den Höfen Realität werden. Chancenungleichheit aufgrund des Geschlechts gehört aus Sicht des Gremiums endgültig ins Gestern. „Wer Betriebe zukunftsfähig halten will, kann auf junge Frauen nicht verzichten. Punkt“, so der Bundesvorsitzende Lars Ruschmeyer.Der Bundesvorstand rückt besonders die Hofnachfolge und den Zugang zu Förderung in den Fokus. Noch immer laufen viele Betriebsübergaben entlang alter Linien, häufig ohne Blick auf Qualifikation oder Engagement. Frauen steigen hochqualifiziert ein – in der Ausbildung liegt ihr Anteil bei rund einem Viertel, im Studium mit 61 Prozent deutlich darüber – und stehen trotzdem oft hinten an, wenn es um Eigentum und Leitung geht.
Die Landjugend fordert deshalb klare Spielregeln: Hofübergaben sollen sich an Kompetenz orientieren, nicht an Tradition. Und Förderprogramme? Die müssen endlich die Realität auf den Höfen abbilden, inklusive Familienphasen, Unterbrechungen und Care-Arbeit. „Die aktuelle Förderung wirkt oft wie ein starrer Rahmen für einen beweglichen Alltag – das passt einfach nicht zusammen“, so der Bundesvorsitzende.
Auch bei sozialer Absicherung und politischer Teilhabe sieht der Bundesvorstand massiven Handlungsbedarf. Viele Frauen arbeiten im Betrieb mit, ohne sauber abgesichert zu sein – besonders bei Rente, Elternzeit oder im Trennungsfall. Gleichzeitig fehlen sie noch zu oft in Entscheidungsgremien, wo über genau diese Strukturen entschieden wird.
Der BDL-Bundesvorstand fordert verbindliche Gleichstellungsziele, paritätische Besetzungen und echte Vereinbarkeitslösungen in Gremienarbeit. Dazu kommen bessere Beratungsstrukturen für Verträge, Eigentum und Absicherung sowie eine ländliche Infrastruktur, die Kinderbetreuung und Pflege nicht zur Glückssache macht.
Ein weiterer Punkt: Sichtbarkeit und Anerkennung. Junge Frauen gestalten Landwirtschaft längst aktiv mit, als Betriebsleiterinnen, Fachkräfte und Gründerinnen – und trotzdem bleibt ihre Rolle häufig unscharf. Das liegt auch daran, dass Frauen vergleichsweise oft in Kooperationen oder Teilbetrieben arbeiten, die in den agrarpolitischen Definitionen nicht vorkommen und sie quasi unsichtbar machen. Der Bundesvorstand drängt deshalb auf mehr weibliche Vorbilder in Ausbildung und Beratung sowie auf eine Agrarpolitik, die diese Realität endlich sauber erfasst und abbildet.
Am Ende steht eine klare Linie des Bundesvorstands: Landwirtschaft kann es sich schlicht nicht leisten, die Hälfte ihres Potenzials auszubremsen. Oder, wie es der Junglandwirt und BDL-Bundesvorsitzende formuliert: „Ohne junge Frauen fehlt der Landwirtschaft Power für die Zukunft. Betriebe verschenken Potenzial: fachlich, unternehmerisch, gesellschaftlich. Wer Vielfalt ausbremst, riskiert Stillstand – auf dem Acker, im Stall und im Dorf.“
Hier gibt's die vollständige Stellungnahme des BDL-Bundesvorstandes.
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