Ländliche Entwicklung ist kein Zufall

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EIGENSTÄNDIGE EU-MITTEL FÜRS LAND ERHALTEN

Ländliche Räume brauchen Verlässlichkeit. Doch genau die fehlt in den aktuellen Vorschlägen der EU-Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und zum Mehrjährigen Finanzrahmen. Die Unterstützung der Entwicklung ländlicher Räume ist in den Plänen überhaupt nicht vorgesehen.

Der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) sieht darin ein zentrales Risiko für Lebens- und Bleibeperspektiven junger Menschen auf dem Land. Er fordert: EU und Bund müssen Gelder so einsetzen, dass das Leben auf dem Land attraktiv bleibt. „Junge Menschen sollen hier wohnen, lernen und arbeiten können“, sagt BDL-Vize Anne-Kathrin Meister.

Zehn Prozent ohne Bindung sind kein Versprechen

Die EU-Kommission will die ländliche Entwicklung lediglich als sogenanntes „Rural Target“ berücksichtigen. Zehn Prozent eines nicht zweckgebundenen Budgets innerhalb der Nationalen Regionalen Partnerschaftspläne sollen Landregionen zugutekommen. Aus Sicht des BDL ist das hochproblematisch. Ohne feste Zweckbindung gibt es keine Garantie, dass Mittel tatsächlich in den Dörfern ankommen. Ländliche Entwicklung wird damit zur freiwilligen Zusatzaufgabe – und steht im Wettbewerb mit anderen politischen Zielen.

Damit drohen auch bewährte EU-Programme wie LEADER unterzugehen, die genau auf die Bedürfnisse der ländlichen Regionen zugeschnitten sind. „Damit Entscheidungen dort getroffen werden, wo Menschen leben und arbeiten“, erklärt Meister. Für diese maßgeschneiderten Förderinstrumente müsse es weiterhin ein verbindliches Mindestbudget geben und der Zugang flexibler und einfacher gestaltet werden. Genauso wichtig ist ihrem Verband, dass kleine Fehler bei Anträgen keine hohen Sanktionen nach sich ziehen. „Wer sich engagiert, soll unterstützt werden, nicht gebremst“, sagt die stellv. BDL-Bundesvorsitzende.

Landwirtschaft und ländliche Entwicklung gehören zusammen

Die Neuausrichtung der Förderpolitik muss aus Landjugendsicht die Vielfalt der ländlichen Räume im Blick behalten. Entwicklung funktioniert dort am besten, wo Regionen selbst Verantwortung tragen und Vertrauen von Bund und EU erhalten. Die Förderpolitik darf nicht an der Realität vor Ort vorbeigehen. „Und sie darf Landwirtschaft und regionale Entwicklung nicht gegeneinander ausspielen. Ländliche Regionen brauchen Landwirtschaft und Landwirtschaft braucht Menschen“, betont Landjugend-Vize Anne-Kathrin Meister.

Für den größten Jugendverband im ländlichen Raum ist klar: „Junglandwirt:innen, Jungwinzer:innen, junge Handwerker:innen brauchen wie engagierte Jugendliche auch eine funktionierende Infrastruktur, Beteiligung und regionale Wertschöpfung. Agrarpolitik und Strukturpolitik wirken gemeinsam – oder gar nicht.“

Darum sei es wichtig, ländliche Räume als eigene Kategorie im europäischen und nationalen Haushalt zu berücksichtigen und die regionalen Entscheidungsspielräume zu stärken. „Ländliche Räume brauchen auch in Zukunft ein fest verankertes Budget, und mehr Vertrauen in regionale Lösungen. Wer Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ernst nimmt, muss ländliche Entwicklung verbindlich finanzieren. Nur so bleiben Lebens- und Bleibeperspektiven für junge Menschen erhalten – und damit die Teilhabe, Engagement-Bereitschaft und Stabilität, die für eine starke Demokratie unverzichtbar sind“, stellt die stellv. BDL-Bundesvorsitzende klar. 

05. Februar 2026

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