Jungwinzer:innen-Kongress weist Weg

Fishbowl-Diskussion mit Ministerium, DWV-Vize, Jungwinzerinnen
© Lucas / Landjugend RheinhessenPfalz
KI & MODERNE AUSBILDUNG ENTSCHEIDEN ÜBER ZUKUNFT

Gemeinsam mit dem Deutschen Weinbauverband (DWV) hatte der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) am 2. Dezember den Berufsnachwuchs nach Mainz eingeladen. Beim Jungwinzer:innen-Kongress standen zentrale Fragen für die Perspektive der Branche im Fokus: Wie viel KI verträgt der Weinbau? Muss die Ausbildung im Weinbau moderner werden?

(BDL) „Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft“, betonte die stellvertretende BDL-Bundesvorsitzende Maike Delp zum Auftakt. „Jungwinzerinnen und -winzer müssen sich mit den Trends und Perspektiven von morgen auseinandersetzen, um sich langfristig in der Branche behaupten zu können“, lud sie die rund 100 Teilnehmenden zum Mitdiskutieren ein.

Künstliche Intelligenz: Chancen nutzen, Risiken kennen

Digitale Werkzeuge verändern Arbeitsabläufe auf den Weingütern rasant. Gleichzeitig werfen sie Fragen zu Datenschutz, Abhängigkeiten und danach auf, wie sich traditionelles Handwerk bewahren lässt. Prof. Dr. Martina Boehm von der Dualen Hochschule Heilbronn (DHBW) sprach in ihrem Impuls von KI als „sechsten Sinn“ im Weinbau. Entscheidend sei die Anpassungsfähigkeit der Betriebe. Sie riet zu einem offenen, selbstbestimmten Umgang mit digitalen Technologien.  

Auch die Podiumsgäste Dr. Bernd Bienzeisler (Dieter-Schwarz-Stiftung) und Reiner Graul (Bormann & Gordon GmbH) sehen großes Potential. „Um als selbstständige Winzerin und Winzer erfolgreich zu sein, muss man Digitalunternehmer:in werden“, so Bienzeisler. KI helfe dabei, interne Prozesse zu automatisieren oder Daten wie Bodenfeuchte und Nährstoffgehalte präziser auszuwerten. Graul hob die Bedeutung einer offenen Haltung hervor. „Wenn KI-Systeme flexibel sind, gelingt die Anpassung an den Wandel schneller.“ Unerlässlich seien dabei verlässliche Technologiepartner, die transparente Systeme bereitstellen.

Besonders wichtig: Shared-Services-Modelle, die es kleinen Weinbaubetrieben ermöglichen, KI gemeinsam zu nutzen. Sie könnten Kosten senken und die Datensicherheit erhöhen. Dafür brauche es jedoch passende Förderinstrumente. „Aktuell fehlen praxisnahe Fördermöglichkeiten, die das Ausprobieren, Scheitern und Lernen für kleinere Betriebe erlauben“, so Boehm.

Diese Session machte deutlich: Der Weinbau verträgt viel KI und wird die Branche verändern. Entscheidend ist, dass die Jungwinzer:innen diesen Wandel selbstbewusst und aktiv gestalten.

Ausbildung modernisieren statt verwalten

„Ausbildung sollte dynamisch und erlebnisreich sein – unser Fishbowl-Format passt perfekt dazu“, eröffnete Maike Delp den Austausch zur Leitfrage „Upgrade nötig!? Muss die Ausbildung im Weinbau moderner werden?“

Ausgangspunkt waren rückläufigen Ausbildungszahlen, steigende Unsicherheiten und teils unattraktive Rahmenbedingungen. Gemeinsam mit Johannes Lenz, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), Luise Böhme, DWV-Vize-Präsidentin, und dem Publikum wurden Lösungswege diskutiert. Schnell wurde deutlich: Die Winzer:innen-Ausbildung bleibt unverzichtbar, auch wenn immer mehr junge Menschen ein Studium wählen.

Die fast 30 Jahre bestehende Ausbildungsverordnung braucht neue Bausteine, insbesondere bei digitalen Kompetenzen. Ein geordneter Neuordnungsprozess sei nötig, der „Sprint und Marathon zugleich sei“, betonte Luise Böhme.

Starke Impulse kamen aus dem Publikum: digitalisierte Lerninhalte, gebündelte Unterrichtszeiten, bessere Unterkünfte an Berufsschulstandorten. Beispiele wie die Region Saale-Unstrut, die keine Berufsschule hat, zeigen den Handlungsbedarf. Lenz verwies auf die Herausforderungen des föderalen Systems, betonte jedoch die Fähigkeit der Grünen Branche „über Grenzen zu denken.“

Zentral blieb der Praxisbezug: „Weinmachen lernt man im Betrieb“, sagte Luise Böhme. Rund 60 Prozent der Weinbaubetriebe bilden aus. Die Branche müsse noch deutlicher zeigen, wie vielseitig und flexibel der Beruf ist.

Auch das Netzwerken spielt eine Schlüsselrolle. „Ausbildung ist mehr als Lernen – es geht darum, erwachsen zu werden, sich zu vernetzen und an Erfahrungen zu wachsen“, so Johannes Lenz. Der Berufswettbewerb der deutschen Landjugend führe Theorie und Praxis zusammen und schaffe wertvolle Kontakte. Maike Delp unterstrich die Bedeutung der Verbände, deren Expertise für den Neuordnungsprozess entscheidend sei. Die Diskussion zeigte überdeutlich: Die Weinbaubranche ist bereit für ein modernes Ausbildungssystem

„Unser Jungwinzer:innen-Kongress hat sehr klar herausgearbeitet, wo Leitplanken der Politik nötig sind und wo die Branche selbst Tempo macht“, so die stellvertretende BDL-Bundesvorsitzende Maike Delp in ihrem Schlusswort. „Wir setzen damit ein unmissverständliches Signal: Zukunft im Weinbau gelingt nur, wenn Ausbildung und digitale Werkzeuge Schritt halten.“

Der Jungwinzer:innen-Kongress by BDL gehörte zum Programm des Internationalen DWV-Kongresses. Er wurde von der Landwirtschaftliche Rentenbank gefördert.

 

 

 

04. Dezember 2025

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