EU-Weinpaket: Jetzt muss Berlin liefern
Der Korken knallt, doch die Gläser der Jungwinzer:innen bleiben leer. Das Europäische Parlament hat in dieser Woche das EU-Entlastungspaket für den Weinsektor beschlossen. Ein überfälliges Signal in der Krise. „Ein erster Lichtstrahl nach langen Monaten der Unsicherheit“, sagt Maike Delp. Die stellv. BDL-Bundesvorsitzende weiß genau: Jetzt entscheidet die nationale Umsetzung über Perspektiven für Jungwinzerinnen und Jungwinzer und über die Zukunft vieler ländlicher Regionen.
„Endlich bewegt sich etwas“, so die Jungwinzerin: „Doch Beschlüsse auf Papier retten keinen Betrieb. Jetzt muss nationales Recht schnell folgen.“ Der Zeitpunkt ist kritisch. Das Deutsche Weininstitut meldete erneut sinkenden Weinkonsum im vergangenen Jahr. Die Branche steht weiter unter Druck. Gewöhnung an die Krise darf es nicht geben. Zu viel steht auf dem Spiel – für Weinbaubetriebe und Dörfer, die regionale Wertschöpfung und ländliche Regionen.
Werkzeuge liegen auf dem Tisch
Das Paket bringt wichtige Instrumente. EU-Staaten können Neuanpflanzungen regional bis auf 0,0 Prozent begrenzen. Klare Regeln für die Kennzeichnung alkoholfreier und alkoholreduzierter Weine schaffen Orientierung im Markt. Rodung gilt nun als Maßnahme im Weinsektorenprogramm und lässt sich in die GAP integrieren. Europäische Mittel stehen bereit. Länder müssen weniger kofinanzieren. Wer rodet, verzichtet zehn Jahre auf neue Pflanzgenehmigungen. Das setzt klare Leitplanken. Längere Absatzförderprogramme geben Planungssicherheit. Unterstützung für Weintourismus stärkt Regionen, in denen Reben Landschaft und Einkommen prägen.
„Ein Mangel bleibt“, urteilt BDL-Vize Delp: „Nicht genutzte Mittel lassen sich weiterhin nicht in die nächste Förderperiode übertragen. Geld fließt zurück, statt Betriebe zu stabilisieren oder Absatz zu fördern.“ Das bremst notwendige Neustrukturierungen.
Tempo entscheidet
Der Blick richtet sich nach Berlin. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat muss zügig handeln. Für die Jungwinzer:innen gilt die Umsetzung in nationales Recht noch in diesem Jahr als entscheidend. „Eine Verschiebung auf die nächste GAP wäre ein falsches Signal“, so Delp.
Aus Landjugend-Sicht sind strukturelle Maßnahmen in dieser Weinbaukrise der Schlüssel. Die Branche fordert die Rotationsbrache schon lange. „Sollte das national nicht umsetzbar sein, muss zumindest die Möglichkeit zur Rodung eröffnet werden. Besser geordnet roden, als Weinberge verwildern lassen“, sagt die BDL-Jungwinzerin und begründet: „Verlassene Flächen werden Brutstätten für Krankheiten und Schädlinge. Geordnete Anpassung stärkt die Betriebe, die weitermachen.“
Generationenwechsel sichern
Ziel sind effiziente, qualitätsorientierte Strukturen, die attraktiv für Jungwinzer:innen und vereinbar mit der europäischen Strategie zum Generationenwechsel in der Landwirtschaft sind. Gleichzeitig braucht es Instrumente für einen sanften Berufsausstieg, heißt es im BDL. Denn klare Perspektiven erleichtern Übergaben zwischen den Generationen.
Auch die Förderung des Weintourismus wirkt über den Betrieb hinaus. Gäste bringen Kaufkraft. Betriebe gewinnen zusätzliche Standbeine. Regionen bleiben lebendig. Strukturpolitik und Weinpolitik greifen ineinander. „Das EU-Paket öffnet Türen. Doch nur schnelle nationale Umsetzung schafft echte Perspektiven. Jungwinzerinnen und Jungwinzer brauchen schnell Klarheit“, bringt es die stellv. BDL-Bundesvorsitzende auf den Punkt.
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