Ehrenamt trägt das Land

Engagierte und Abgeordnete mit #TeamEhrenamt-Herzen vor dem Bundestag
© DSEE
BDL ALS SACHVERSTÄNDIGER IM BUNDESTAG

Im Bundestagsausschuss für Sport und Ehrenamt trat heute Lars Ruschmeyer ans Mikrofon: Als Sachverständiger legte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) dar, wie Ehrenamt im ländlichen Raum wirkt – und wo Politik handeln muss. Es ging ihm um mehr als Vereinsleben: um Alltag, Zusammenhalt und Zukunft.

„Ehrenamt ist kein Zusatz. Es ist eine der tragenden Säulen auf dem Land“, so der BDL-Bundesvorsitzende. Jugendgruppen, Sportvereine, Feuerwehren und Kulturinitiativen halten in vielen Regionen das soziale Leben zusammen. Oft wächst Engagement über Generationen hinweg; Landwirtinnen und Winzer, junge Angestellte und Facharbeiterinnen, Auszubildende und Studierende packen mit an, oft nach Feierabend, oft am Wochenendex. Das stiftet Identität, bindet an die Region und wirkt wie ein Anker – gerade für junge Menschen, die sich entscheiden müssen: Bleiben? Gehen? Wiederkommen? „Wer Ehrenamt stärkt, sichert Zukunft vor Ort“, bringt es Lars Ruschmeyer auf den Punkt.

Heimat gestalten, Perspektiven sichern
Wer genau hinschaut, erkennt schnell, wie eng Ehrenamt, Infrastruktur und Lebensqualität auf dem Land verzahnt sind. Wo sich Menschen einbringen, entstehen Orte, an denen Gemeinschaft trägt; wo diese Strukturen fehlen, wird es dünn. „Ehrenamt entscheidet mit darüber, ob junge Menschen eine Perspektive vor Ort sehen“, betont der BDL-Bundesvorsitzende. Eine Perspektive, die dort wächst, wo Engagement Räume hat, wo Unterstützung greift und Politik die ländlichen Regionen ernstnimmt – und zwar dauerhaft.

Demokratie passiert im echten Leben
Jugendverbände funktionieren wie Werkstätten der Demokratie. Hier ringen Gleichaltrige um Lösungen, organisieren Mehrheiten, halten Konflikte aus und tragen Verantwortung. „Demokratie entsteht hier im Tun: im Aushandeln, im Widerspruch, im Kompromiss“, fasst der Junglandwirt zusammen. Diese Erfahrung wirkt weit über die Gruppe hinaus. Sie stärkt Selbstvertrauen, fördert Beteiligung und setzt in der Breite etwas entgegen, wenn einfache Antworten locken.

Ehrenamt braucht Rückendeckung
Die Erfahrungen der Landjugend zeigen aber auch: Viele Engagierte arbeiten am Limit. Anträge stapeln sich, Abrechnungen kosten Zeit, Datenschutzregeln fordern Genauigkeit. Das frisst Energie, die an anderer Stelle fehlt. „Ehrenamt braucht Hauptamt – verlässlich und gut ausgestattet“, macht Lars Ruschmeyer deutlich. Hauptamtliche koordinieren, beraten und sorgen für Kontinuität. 

Zeit ist knapp – und wird knapper
Der Alltag junger Menschen verdichtet sich. Schule, Ausbildung und Beruf verlangen viel; parallel wachsen die Ansprüche an Vereine. Wie soll das gehen, wenn Zeitfenster fehlen? „Engagement braucht Freiräume, klare Freistellungen und Rückhalt in Schule, Ausbildung und Betrieb“, heißt es in der BDL-Stellungnahme. Der Jugendverband drängt auf bundeseinheitliche, einfache Regelungen. 

Jugendräume sind kein Platzproblem
Platz ist auf dem Land genug, nur nicht unbedingt dort, wo junge Menschen ihn brauchen. Eine Garage ersetzt keinen Jugendclub. „Wer Engagement will, muss Räume aufmachen“, sagt Ruschmeyer. Der BDL drängt auf selbstverwaltete Orte in jeder Gemeinde – sichtbar, erreichbar und dauerhaft gesichert.

Demokratische Strukturen stärken
Die Landjugend weist darauf hin, dass rechtsextreme Akteure Lücken im Dorfleben gezielt und strategisch ausfüllen wollen. „Wo niemand mehr da ist, der widerspricht, setzen sich die Falschen fest“, stellt Lars Ruschmeyer klar. Zivilgesellschaft, Jugendverbände und politische Bildung brauchen verlässliche Unterstützung. Demokratie fällt nicht vom Himmel. Sie wachse dort, wo man sie pflegt.

Freiwilligkeit schützen, Finanzierung sichern
Ehrenamt lebt von Motivation und ersetzt keine staatlichen Aufgaben. Das ist dem BDL wichtig. Zugleich weist Ruschmeyer im Ausschuss darauf hin, dass Projektförderung nur kurzfristig hilft: „Es braucht stabile Strukturen und weniger Bürokratie.“ Die Landjugend setzt auf eine dauerhafte, dynamisierte Finanzierung der Jugendverbandsarbeit – als Teil der sozialen Infrastruktur.

Konkrete Schritte 
Der BDL benennt im Bundestag klare Maßnahmen: verlässliche Finanzierung über den Kinder- und Jugendplan des Bundes, Ausbau hauptamtlicher Unterstützung, einfachere Förderverfahren, bundeseinheitliche Freistellungen, ein kostenfreies ÖPNV-Ticket für junge Engagierte; bessere, sichere Verbindungen zwischen Stadt und Land, verbindliche Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen. 

Der Bund der Deutschen Landjugend steht für eine Engagementpolitik, die jungen Menschen zutraut, Verantwortung zu übernehmen, und ihnen zugleich die dafür nötigen Bedingungen schafft. Ehrenamt in Jugendverbänden ist jung, demokratisch, selbstorganisiert und zukunftsrelevant. „Ehrenamt ist Beziehungsarbeit. Es braucht Zeit, Räume und Vertrauen – dann trägt es“, fasst Lars Ruschmeyer für den BDL zusammen. 

Die vollständige BDL-Stellungnahme: www.bundestag.de/resource/blob/1161814/260415_BDL.pdf

15. April 2026

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