Das Recht zu bleiben entscheidet sich im Alltag
„Junge Menschen verlassen ihre Heimat oft nur deshalb, weil ihnen die Perspektiven fehlen. Gerade nach Schule, Ausbildung oder Studium stehen viele vor einer einfachen Rechnung: Bleiben und verzichten oder gehen und Chancen suchen. Eine grundgesetzlich verankerte gleichwertige Teilhabe sieht unserer Ansicht nach anders aus. Darum haben wir uns an der EU-Konsultation zur geplanten «Strategie für das Recht zu bleiben: Deine Region, deine Zukunft» beteiligt“, sagt BDL-Vize Christian Leu. Darin stellt sein Verband Forderungen, damit junge Menschen auf dem Land bleiben, zurückkehren oder dort Zukunft aufbauen können.
Der BDL begrüßt ausdrücklich, dass die Europäische Kommission endlich regionale Ungleichheiten stärker in den Blick nehmen will. „Das Recht zu bleiben ist keine Debatte über Heimatgefühl“, sagt Leu: „Es entscheidet sich daran, ob junge Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Da geht es um harte Infrastrukturfragen. Finden junge Menschen Wohnungen, Arbeit, Teilhabe und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten? Es ist ein Recht auf Zukunft.“
Im Mittelpunkt der Landjugend-Stellungnahme steht Daseinsvorsorge für eine lebenswerte Zukunft. Der Verband kritisiert, dass viele politische Entscheidungen ländliche Räume allein nach Wirtschaftlichkeit bewerten. „Ein Dorf funktioniert nicht wie eine Excel-Tabelle“, sagt der BDL-Vize: „Wo der letzte Einkaufsladen, Arzt oder Treffpunkt verschwindet, der Bus nur noch zweimal fährt, die Bahnstation abgeschafft wird und Vereine finanziell unter Druck gesetzt werden, verliert eine Region mehr als Infrastruktur. Sie verliert Zusammenhalt und Lebensmöglichkeiten.“
Zugleich mahnt der BDL an, Bildung, Ausbildung und Fachkräftesicherung stärker zusammenzudenken. Junge Menschen dürften nicht gezwungen sein, zwischen beruflicher Perspektive und Heimat zu wählen. Gute Ausbildungsbedingungen, digitale Lernangebote und regionale Arbeitsplätze, durch die der Lebensunterhalt bestritten werden kann, seien entscheidend für die Zukunft ländlicher Regionen.
Große Bedeutung misst der Verband daher jungen Unternehmerinnen, Junglandwirten, Jungwinzerinnen, Betriebsnachfolgern und Handwerkerinnen bei. Sie sichern Ausbildungsplätze, organisieren Dorffeste, engagieren sich in Vereinen wie der Landjugend, THW und Feuerwehren und halten die Wertschöpfung in der Region. Wer das Recht zu bleiben ernst meine, müsse deshalb Gründungen, Hofübernahmen und regionale Wirtschaft gezielt stärken.
Jugendverbände betrachtet der BDL ausdrücklich als demokratische Infrastruktur. Gerade auf dem Land entstünden Beteiligung, Verantwortung und Zusammenhalt oft in Vereinen und Jugendgruppen. Sie müssen verbindlich an regionalen Entwicklungsprozessen beteiligt werden. Wer Zukunft für ländliche Räume plane, müsse diejenigen einbeziehen, die dort leben, arbeiten und Verantwortung übernehmen wollen.
Der größte Jugendverband im ländlichen Raum fordert deshalb, gleichwertige Lebensverhältnisse europaweit verbindlicher zu verankern und Fördermittel für ländliche Entwicklung langfristig abzusichern. Besonders kritisch sieht der BDL mögliche Kürzungen oder Zusammenlegungen europäischer Förderprogramme.
„Das Recht zu bleiben entscheidet darüber, ob ländliche Räume Zukunftsräume bleiben“, sagt der stellv. BDL-Bundesvorsitzende Christian Leu: „Junge Menschen auf dem Land wollen nicht verwaltet werden. Sie wollen ihre Heimat und ihr Leben gestalten.“
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