24 Prozent Junglandwirt:innen bis 2040
Den Anteil der Junglandwirt:innen bis 2040 auf 24 Prozent zu verdoppeln – das ist kein fernes Ziel auf EU-Papier, sondern entscheidend für die Landwirtschaft in Europa. Beim Junglandwirt:innen-Kongress am vergangenen Samstag ging es deshalb im Kern um die Frage: Wie wird aus der Strategie zur Förderung des Generationenwechsels tatsächlich Praxis, wie aus dieser Ankündigung Hofübergabe? Rund 150 junge Fachleute diskutierten auf Einladung von Bund der Deutschen Landjugend (BDL) und Deutschem Bauernverband (DBV) bei der Grünen Woche, welche politischen Hebel in Europa und Deutschland den Generationswechsel tatsächlich ermöglichen.
„Ohne uns junge Leute geht es nicht“, sagt der BDL-Vorsitzende Lars Ruschmeyer zur Eröffnung. „Wir sind gut ausgebildet, hochmotiviert und wollen Verantwortung auf den Familienbetrieben übernehmen. Doch zwischen Wille und Übergabe liegen Bürokratie, Finanzierungslücken und fehlende Perspektiven“, so der Junglandwirt. DBV-Präsident Joachim Rukwied machte deutlich, dass die nationale Ausgestaltung der EU-Generationenwechselstrategie unternehmerische Freiheit sichern muss, damit Hofübernahmen nicht am Start scheitern.
Diesen Faden nahm die Parlamentarische Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf auf: „Das Bundeslandwirtschaftsministerium nimmt die Aufforderung der EU an, die Hürden bei der Hofnachfolge abzubauen. Wir wollen mutig politische Korrekturen vornehmen und gemeinsam mit der nächsten Generation sinnvolle Lösungen erarbeiten, damit Hofnachfolge wieder eine echte Perspektive hat.“
Was die EU-Strategie zum Generationenwechsel beinhaltet, stellte Antonia Lütteken von der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission vor. Ausgangspunkt für die EU-Pläne ist eine alarmierende Entwicklung: Der Anteil der Landwirte und Landwirtinnen unter 40 Jahren sank seit 2010 von 28 auf jetzt 12 Prozent, unter 35 Jahren liegt er bei nur noch sieben Prozent. Gleichzeitig ist bei zwei Dritteln der Betriebe ungeklärt, wer den Hof weiterführt.
Der Generationswechsel stocke, weil zentrale Bausteine fehlten, sagte Lütteken. Die EU setze daher ganzheitlich auf attraktivere ländliche Räume, besseren Zugang zu Boden und Kapital, verlässliche Alterssicherung und gezielte Förderung von Unternehmensgründungen. Kern ist ein europäisches „Starterpaket“. Die Mitgliedsstaaten erarbeiten nationale Strategien, integrieren den Generationenwechsel in ihre GAP-Pläne und stellen mindestens sechs Prozent der Agrarausgaben dafür ein. Aus BDL-Sicht reicht das nicht aus, weil die Quote nicht verbindlich für die Mitgliedsstaaten ist. Zudem steht und fällt der Erfolg der Generationswechselstrategie mit dem Geld in der GAP.
Die anschließende Diskussion bestimmte neben dem „Starterpaket“, der Zugang zu Kapital und Boden sowie die Rolle der ländlichen Räume. Die Kritik des Nachwuchses war deutlich: Es fehlt den bisherigen Ansätzen an Verbindlichkeit. Zugleich wächst die Sorge, dass der ländliche Raum in der künftigen GAP an den Rand gedrängt wird, weil im aktuellen Vorschlag kein eigenständiges Budget mehr vorgesehen ist.
Antonia Lütteken stimmte den Junglandwirt:innen zu: „Landwirtschaft funktioniert nicht ohne lebendige ländliche Räume.“ Auch in der EU-Generaldirektion Landwirtschaft bedauere man, dass es dafür keinen eigenen Finanzierungstopf gebe. Die Gründe liegen in der starken Konzentration auf Einkommensstützung der landwirtschaftlichen Betriebe. Umso wichtiger sei es nun, dass alle politische Stakeholder für den ländlichen Raum in der jetzigen Debatte kämpfen, sodass er konsequent mitgedacht werde, so Lütteken. Die Ausgestaltung der nationalen und regionalen Partnerschaftspläne, also auch wie das Geld aufgeteilt wird, findet auf Ebene der Bundesländer statt.
„24 Prozent Junglandwirt:innen können nur ehrlich erreicht werden, wenn Höfe erhalten bleiben und nicht durch deren Aufgabe“, sagte der BDL-Bundesvorsitzende Lars Ruschmeyer und fand damit im Saal lautstarke Zustimmung.
„Der Generationenwechsel ist kein Zukunftsthema. Er entscheidet sich jetzt“, so der Junglandwirt im Schlusswort. Die GAP müsse konsequent dafür genutzt werden. Gleichzeitig ermutigt er junge Hofnachfolgende, familiäre Konflikte offen anzusprechen, Netzwerke und Beratungsangebote zu nutzen, um die Hürden bei der Übergabe gemeinsam zu meistern.
Bilder vom Junglandwirt:innen-Kongress und weiteren BDL-Veranstaltungen auf der Grünen Woche gibt es hier.
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